Dieses Jahr habe ich so viel erlebt wie noch nie zuvor. Und vor allem habe ich viel gelernt. Viel mehr, als ich jemals erwartet hätte. Reisen war für mich dabei oft ein Spiegel – ein Spiegel für alles, was in mir passiert. Deshalb möchte ich heute über das schreiben, was Reisen mich lehrt. Genauer gesagt, über die 13 Dinge, die mir das Reisen in diesem Jahr gelehrt hat.
Nicht mit zu vollem Gepäck zu reisen
Ich habe gelernt, mit weniger Gepäck zu reisen – praktisch zu bleiben und mich nicht von Dingen beschweren zu lassen. Je mehr ich in meinen Rucksack packe, desto mehr trage ich auch auf meinen Schultern: Erwartungen, Vorstellungen, Ängste, Zweifel, Sorgen. In einem meiner Newsletter-Beiträge habe ich bereits darüber geschrieben, was ich beim Reisen über mein Gepäck gelernt habe – und wahrscheinlich wird mich diese Erkenntnis immer begleiten.

Eine lange Reise wird noch schöner, wenn man sie mit besonderen Menschen teilt
Ich habe während der Reise immer wieder Menschen getroffen, die mir am Herzen liegen – sei es mein Bruder, seine Freundin, die Eltern meines Exfreundes oder andere Freunde. Ich habe gemerkt, wie viel intensiver eine solche Reise wird, wenn man besondere Momente teilt, sich irgendwo auf der Welt wiedertrifft und Erinnerungen schafft, die bleiben. Diese gemeinsamen Erlebnisse sind mehr wert als alles materielle, das ich besitzen könnte.
Auf Reisen trifft man viel mehr Entscheidungen als sonst und lernt, wie normal es ist, auch mal Fehler zu machen
Noch nie habe ich in einem Jahr so viele Entscheidungen getroffen wie dieses Jahr. Und noch nie habe ich so oft gedacht: „Das war vermutlich die falsche Wahl.“ Nur um später zu merken, dass sie sich als absolut wegweisend herausgestellt hat. Beim Reisen lernt man so viel über Entscheidungen – und darüber, dass es oft egal ist, welche Wahl man trifft. Der Weg führt einen sowieso dorthin, wo man hin soll. So zumindest meine Erfahrung.
Dinge passieren, wie sie passieren sollen – manchmal hilft nur Vertrauen
Der Punkt davor passt genau hierher: Ich habe gelernt, dass Dinge einfach so passieren, wie sie passieren sollen. Manchmal hilft nur Vertrauen – darauf zu vertrauen, dass alles richtig ist, genauso wie es gerade ist. Besonders bei ungeplanten Veränderungen merkt man: Man kann nicht alles kontrollieren. Und oft passieren die schönsten Dinge genau dann, wenn man loslässt und einfach zulässt.
Die schönsten Momente sind oft ungeplant, ein bisschen beängstigend und manchmal unkomfortabel
Wenn ich die schönsten Erlebnisse meiner Reisen betrachte, haben sie alle etwas gemeinsam: Ich hatte Angst, sie waren unbequem, meist wenig luxuriös und oft völlig ungeplant. Zum Beispiel der Aufstieg auf den Vulkan Acatenango in Guatemala, eine mehrtägige Amazonas-Tour, bei der ich in einer Hängematte übernachtete, oder eine Bootsfahrt von Panama nach Kolumbien, bei der wir in einen Sturm gerieten. Ich hatte keine Vorstellung davon, was mich erwartete – und wurde immer wieder überrascht, selbst wenn es mental herausfordernd war. Genau das sind für mich die Momente, die wirklich bleiben.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung – auch wenn es manchmal unangenehm wird
Beim Reisen stößt man immer wieder auf Probleme. Und man merkt schnell: Für alles gibt es eine Lösung. Anfangs fühlt es sich vielleicht unangenehm oder unsicher an, aber am Ende gibt es nichts, wovor man wirklich Angst haben müsste – denn gerade aus den unbequemsten Situationen lernt man am meisten.
Reisen löst deine Probleme nicht. Manches wird leichter, anderes intensiver – aber von nichts kann man wegrennen
Ein Learning, das zunächst weh tat, aber unglaublich wichtig war: Reisen löst keine Probleme. Flucht löst keine Probleme. Vielleicht war meine Weltreise in gewisser Weise eine Flucht. Anfangs fühlten sich all die unbearbeiteten Themen so intensiv an, dass sie mich fast erdrückten. Doch mit der Zeit wurde es leichter – und ich freier. Reisen macht die Probleme nicht verschwinden, aber es schafft den Raum, sich ihnen zu stellen und sie zu bearbeiten.
Andere Kulturen lehren uns unglaublich viel – wenn wir genau hinschauen
Je länger ich reiste, desto mehr habe ich verstanden, wie bereichernd andere Kulturen sein können – und wie festgefahren man manchmal im eigenen Dunstkreis ist. Jede Kultur, die ich kennenlernen durfte, hatte etwas Lehrreiches für mich, etwas so Interessantes, dass ich es in mein eigenes Leben integrieren wollte.
Das heißt nicht, dass ich alles gutheißen musste – im Gegenteil. Aber selbst Kulturen, denen ich zunächst skeptisch gegenüberstand, hatten etwas zu geben. Es geht darum, nicht nur auf das Negative zu schauen, sondern neugierig zu bleiben: Was kann ich hier noch lernen? Und das anzunehmen.
Es liegt Kraft darin, Locals zuzuhören und sich zu verbinden
Ich habe so viel mit Locals gesprochen wie noch nie zuvor. Ihre Geschichten zu hören, hat mich tief bewegt und inspiriert. Ich bewundere Menschen, die ein einfaches Leben führen und dabei so viel glücklicher wirken als viele hier in Deutschland. Menschen, die keinen Zugang zu Bildung hatten und trotzdem Großartiges schaffen. Menschen, die einfach ihrer Leidenschaft nachgehen, sie selbst sind und sich darin verlieren, was sie tun.
Jedes Mal, wenn ich einem Local zugehört habe, entstand etwas Besonderes – eine gemeinsame Freude. Er darüber, dass ich zuhöre, ich darüber, dass mir jemand seine Geschichte anvertraut. Diese Aufmerksamkeit ist für mich Gold wert. Meistens bekommt man etwas zurück: Inspiration, ein Lächeln, ein gutes Gefühl oder manchmal sogar ein kleines Geschenk.

Zurückkommen ist schwieriger als loszugehen
Auf eine lange Reise loszugehen ist aufregend, spannend und toll. Der Abschied fällt manchmal schwer, doch das ist nichts im Vergleich zum Zurückkommen. Lange unterwegs zu sein verändert einen – man sammelt so viele Einsichten, dass man zuhause nicht einfach wieder in sein altes Leben zurückschlüpfen kann. Ganz im Gegenteil: Man hinterfragt, warum alle so leben, wie sie leben. Und dann beginnt die eigentliche Herausforderung: das eigene Leben so auszurichten, dass es einem gut tut – und auf sich selbst zu achten.
Langsam leben heißt bewusst leben
Ich habe nie richtig verstanden, wie hektisch und schnell mein Leben war – bis ich auf die Reise ging. Zugegeben, am Anfang war es selbst unterwegs noch schnell und hektisch. Aber je länger man unterwegs ist, desto mehr fragt man sich: Wieso stresse ich mich so? Wo renne ich gerade hinterher – oder vor was weg?
Ja, ich will die ganze Welt sehen. Aber zu welchem Preis? Ist es nicht viel schöner, die Welt bewusst wahrzunehmen – so wie sie ist, so wie die Menschen leben, so wie das Leben spielt? Sehenswürdigkeiten zeigen niemals das wahre Leben. Erst bewusstes Wahrnehmen offenbart, was ein Land oder ein Ort wirklich ausmacht.
Man lernt wieder, was einem wirklich Spaß macht und Energie gibt
Beim Reisen gibt es kaum einen besseren Ort, um Neues auszuprobieren und wieder zu entdecken, was einem wirklich Freude macht. Ich selbst habe unzählige Dinge zum ersten Mal ausprobiert – und dabei erkannt, wie sehr ich tanzen und schreiben liebe. Wie viel Energie es mir gibt, Neues auszuprobieren und meine Komfortzone zu verlassen. Reisen erinnert daran, dass Spaß und Freude etwas sind, das wir viel öfter in unseren Alltag integrieren sollten.
Weniger ist mehr – immer
Früher dachte ich oft: „Mehr ist mehr.“ Doch das Reisen hat mir gezeigt: Weniger ist immer mehr. Weniger planen, weniger Ballast mitnehmen, weniger in einen Tag packen. Je leichter man unterwegs ist – körperlich wie gedanklich –, desto mehr passieren die überraschenden Momente. Mehr Wunder, mehr Möglichkeiten, mehr Freiheit. Für mich gilt seitdem: Wer eine wirklich aufregende Reise erleben will, reist nach dem Motto „weniger ist mehr“.

Reisen zeigt einem, dass es oft nicht die großen Pläne oder perfekten Bedingungen sind, die uns prägen, sondern die kleinen, ungeplanten Erfahrungen, die Begegnungen mit Menschen, die Herausforderungen, die wir meistern, und die Momente, in denen wir einfach loslassen. Für mich ist diese Erkenntnis das wertvollste Souvenir, das ich von jeder Reise mit nach Hause nehme – und etwas, das ich jeden Tag in mein Leben integrieren möchte. Vielleicht können auch einige meiner Learnings darüber, was Reisen mich lehrt, dir helfen, dein kommendes Jahr bewusster, leichter oder mutiger zu gestalten.