UNPACKED

Cartagena UNPACKED Guide

Cartagena ist diese Stadt, die man entweder liebt oder hasst. Es ist diese Stadt, die einen entweder überfordert oder erfüllt. Cartagena ist diese Stadt, die wie aus einem Bilderbuch daherkommt und trotzdem ihre Schattenseiten hat.

Cartagena ist bunt. So bunt wie fast keine andere Stadt, die ich kenne. Cartagena ist laut und fast so laut wie keine andere Stadt, die ich kenne. Cartagena ist touristisch, heiß und inzwischen ein Mekka für Luxusreisende. Zeitgleich ist die Stadt reich an Kultur und Geschichte. Sie ist ein Ballungsraum so vieler Dinge, dass man locker eine Woche damit verbringen könnte, sich nur mit diesen Themen zu beschäftigen.

Geht man durch die Stadtmauer von Cartagena, die immer noch die Altstadt umgibt, sieht man Verkäufer an jeder Ecke. Sie wollen dir eine Tour zur Burg anbieten, zum Kloster mit dem schönsten Ausblick über Cartagena, eine Fahrt zu einer der vielen Inseln, die im karibischen Wasser vor Cartagena liegen oder eine City Tour. Man hört „a la orden“ an jeder Ecke, während dir Souvenirs angeboten werden und fertig geschnittene Mango.

Zugegebenermaßen ist der Hauptplatz rund um den Torre de Reloj nicht der Ort, an dem man sich lange aufhalten sollte, weil genau hier die Überforderung in jeder Zelle des Körpers zu spüren ist. Schlendert man aber langsam durch die Straßen der Altstadt und bestaunt die vielen bunten Häuser, lichtet sich das schon langsam. Ich finde jedes Mal neue Details, könnte weiterhin tausend Fotos machen und bin begeistert von den vielen Geschichten, die hinter jedem Haus stecken. An den Eingängen sieht man beispielsweise, wie wohlhabend die Familie war, die das Haus einst besaß. Ich kann demnach eine City Tour, am besten bezahlt, durchaus empfehlen, weil man dort all diese kleinen Details lernt, die sonst im Verborgenen bleiben.

Läuft man tagsüber durch Cartagena, ist es sinnvoll, sich von Eis zu Eis oder Café zu Café zu hangeln. Oder einfach im Schatten zu spazieren. Zweiunddreißig Grad Temperatur sind der Durchschnitt und die Sonne hat kein Erbarmen. Vor allem nicht, wenn man tagsüber auf der Mauer spazierengeht, von der aus man eine unglaubliche Sicht auf das Meer und vor allem auf Bocagrande hat, den Ort, der auch Little Miami genannt wird.

Doch das Centro ist nicht alles, was die Stadt zu bieten hat. Es gibt unzählige Viertel, die meisten sind für Touristen allerdings weniger spannend. Deswegen bleibt da noch Getsemaní, das ich erwähnen möchte. Einst als hipper und cooler Teil Cartagenas bekannt, ist es das zwar immer noch, aber inzwischen nicht mehr so alternativ wie früher. Wer tagsüber nach Streetart sucht, ist hier richtig. Wer abends nach Party und vor allem günstigen Bier und Cocktails sucht, ebenfalls. Am besten rund um die Plaza de la Trinidad und in den Straßen dahinter. Es gibt übrigens auch eine Bar in einer Kirche. Jep, das ist Kolumbien.

Trotz all des Trubels und der vielen Dinge, die inzwischen nur für Touristen gemacht sind, liebe ich Cartagena weiterhin. Einfach, weil die Stadt zeigt, was Lebensfreude und Leichtigkeit bedeuten. Und sie zeigt jedes Mal, wie man sich im Chaos navigiert und trotzdem alles irgendwie funktioniert.

Ich liebe die Musik, die in Cartagena einzigartig ist, mit all ihren Tanzstilen. Champeta, Mapalé und Cumbia. Und ich liebe all die exotischen Früchte sowie die vielen karibischen Speisen, die es im Inland von Kolumbien nicht gibt.

Cartagena hat für mich eine der spannendsten Geschichten des Landes. Und auch wenn ich jedes Mal wieder genervt bin von dem schnellen Slang der Costeños, gibt es für mich trotzdem nichts, was sich zeitgleich so sympathisch anhört.

Zudem ist es ein Lebensgefühl, mit ein, zwei, drei oder doch fünf Costeñitas am Strand zu sitzen und den Wellen zuzusehen, wie sie langsam hereinrollen, nachdem man seine Füße schon in der Stadt plattgelaufen hat.

Ich sitze in Cartagena gerne einfach in Cafés und beobachte Leute. Weil es ist wie Fernsehen zu schauen. Währenddessen probiere ich mich durch alle verschiedenen Säfte. Lulo, Corozo, Guanábana, Zapote, Limonada de Coco und vieles mehr. Ich hole mir eine Arepa auf die Hand und beobachte, wie die Leute ihr Leben leben. Und muss manchmal schmunzeln, weil es doch so anders ist als alles, was ich kenne. Cartagena erweitert jedes Mal meinen Horizont und macht mich automatisch entspannter. Und vielleicht liebe ich die Stadt genau deswegen.

Doch trotz allem hat die Stadt einige Schattenseiten. Neben dem doch recht hohen Tourismus ist seit der Flucht vieler Menschen aus Venezuela Prostitution eine große Sache geworden. Gerade nachts wird man damit stark konfrontiert, wenn man in der Stadt ausgeht. Generell muss ich leider sagen, dass ich mehr als enttäuscht bin vom Nachtleben in Cartagena. Was einst vor zehn Jahren absolut legendär war, ist heute kaum noch existent. Ich habe keinen einzigen Club gefunden, in dem ich wirklich gerne gewesen wäre. Und ich mag spanischsprachige Musik bekanntermaßen sehr gerne.

Zeitgleich merkt man in Cartagena stark, dass die steigenden Kosten, insbesondere durch den Luxustourismus, Einfluss auf die ganze Stadt und vor allem auf die Anwohner vor Ort haben. Für mich ist Cartagena unverhältnismäßig teuer. Für mein Lieblingseis zahle ich inzwischen 3,70 Euro pro Kugel. Das bekomme ich in Berlin günstiger. Auch für einen Kaffee ist man mindestens drei Euro los und wenn man etwas schicker essen geht, zahlt man für zwei Personen locker sechzig Euro. Natürlich sind das keine Preise, die sich Einheimische leisten können. Das macht die Altstadt inzwischen leider zu einem Ort, an dem nicht mehr Locals und Touristen zusammensitzen, sondern vor allem Touristen.

Es gibt aber trotz allem noch einige kleine unscheinbare, günstige und lokale Restaurants. Die sehen nicht fancy aus, dafür sind sie unglaublich lecker. Und es sind genau die Orte, an denen für mich die Kultur der Stadt am besten eingefangen wird. Meistens ist die Musik einen Ticken zu laut. Die Kellner sind nicht besonders aufmerksam und auch nicht immer gut gelaunt. Die Preise sind günstig und das Essen ist nicht schön drapiert. Aber es schmeckt, kommt schnell und trotz des mangelnden Services hat trotzdem jeder Spaß. Denn niemanden stört das so wirklich.

Cartagena hat sich in den letzten zehn Jahren extrem verändert und wird es sicher weiter tun. Insbesondere wird es sich wohl zu einem Luxusort entwickeln, der hoffentlich trotzdem die Kultur der Stadt bewahren kann.

Deswegen ein kleiner Appell aus meinem Herzen. So sehr ich Fanciness selbst liebe und so sehr ich weiß, wie verlockend es ist, nur an diese Orte zu gehen. Cartagena hat so viel mehr zu bieten als das. Esst an kleinen Ständen am Straßenrand fettige Arepas. Holt euch eine frische Kokosnuss. Lasst euch die Früchte auf den Wägen erklären oder euch einen frischen Saft pressen. Geht in eines dieser kleinen Lokale und esst ein Mittagsmenü, auch wenn Reis mit Hähnchen erst einmal langweilig klingt. Ich verspreche euch, es ist absolut worth it.

Und weil ich es deutlich einfacher finde, sich in Cartagena zurechtzufinden, wenn man ein paar Anhaltspunkte hat, hier meine Geheimtipps.


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Cartagena UNPACKED Tipps:

Ausflüge

• Mangrovenwälder (kennt fast niemand, aber lohnt sich extrem zur Vogelbeobachtung!)
• La Boquilla Strand mit Mittagessen bei Donde Ángel – unbedingt Mojarra probieren (ist sehr rustikal, aber hygienisch!)
• Lokalen Kochkurs machen
• Mercado Bazurto (am besten mit Guide)
• Kloster La Popa (am besten auch mit Guide – nicht hochlaufen, weil zu gefährlich!)
• Surfen in Laguito
• Ruhigen Strand in Crespo besuchen
• Tierrabomba (leider nur mit Beachclub)
• Playa Blanca nicht empfehlenswert!!
• Fahrradtour in Turbaco
• Volcán de Tutumo (ist zwar touristsich, aber schon sehr lustig, weil man im Schlamm badet)

Essen, das man probieren sollte:

Früchte

• Granadilla als Frucht
• Zapote als Saft mit Milch
• Nispero als Saft mit Milch
• Guanábana als Saft (mit oder ohne Milch)
• Guayaba als Saft (mit Wasser)
• Lulo als Saft (mit Wasser)
• Limonada de Coco
• Limonada de Corozo
• Limonada de Hierbabuena

Hauptspeisen und Snacks

• Encocado
• Arepa frita (am besten Streetfood am Straßenrand)
• Arepa con queso
• Bollos (meist bei Frauen am Straßenrand)
• Buñuelos (frittierte Bällchen am Straßenrand am besten mit Arequipe)
• Pandebono (klassisches Brot aus der Bäckerei)
• Mojarra roja mit Arroz de Coco und Patacones
• Patacones (am besten mit Hogao)
• Mote de queso (Suppe aus Ñame und Käse)
• Ceviche aller Art
• Cazuela de mariscos
• Posta negra (langsam gegartes Rindfleisch in dunkler süßer Soße)
• Carimañolas (gefüllte Yuca Taschen mit Fleisch oder Käse)
• Sancocho de pescado (Suppe mit Fisch)
• Sancocho de pollo (Suppe mit Hühnchen)
• Enyucado (traditionelles Dessert aus Yuca)
• Cocadas (kleine Süßspeisen mit Kokos)

Restaurants

• Crepes and Waffles (Dachterrasse in La Serrezuela, im Centro oder To Go bei Plaza de San Diego)
• Celele (Sternerestaurant mit fairen Preisen!)
• La Vieja Guardia für Fisch (etwas gehobener, unbedingt Oktopus essen)
• Quero Arepa (Basic Arepa, gut für Lunch)
• La Mulata (Ebenfalls lunch oder Abendessen, Mittelklasse)
• Lord Buñuelo 
• Espíritu Santo (wirklich authentisches Restaurant im Zentrum)
• La Cocina de Pepina mein Favorit (Küche aus Cartagena, etwas gehobener aber preislich ok
• Coroncoro (lokale Küche in Getsemani)
• Vive (lokale Küche in Getsemani)
• Lunático (etwas feiner, aber lokal)
• La Laguna Azul (lokale Ceviche in Getsemani für einen günstigen Preis)
• San Nicolás (etwas schicker)
• Los Fritos de Dora (leckere Arepas, nur am Abend bei der Plaza de San Diego)
• La Estrella de la India (Mittagsmenü für 4 Euro im Zentrum – sehr lokal)

Cafés

• Café de la Mañana
• Fruto Bendito (Café mit Innenhof)
• Ábaco Libros y Café (Bücherei mit Café)
• Café San Alberto (sehr teuer, weil sehr bekannt. Lohnt sich aber für die Erfahrung)
• Mientras Cartagena (coole Bar und Café tagsüber)
• Al Alma (hier kann man auch gut arbeiten)
• Nía Bakery (sehr fancy)
• Época
• Café del Mural (auch gut für drinks abends)

Eis

• Crepes and Waffles (unbedingt cacao nibs probieren und alle Fruchtsorten!)
• Gelateria Tramonti (bestes Eis Kokos und Avellana)
• La Palettería (unbedingt Zapote probieren!)

Bars

• El Barón (sehr gehoben)
• Alquímico (angeblich beste Bar Cartagenas)
• Donde Pacho
• Café del Mural

Wohnorte

• Getsemaní wenn man zentral wohnen möchte
• Centro wenn man es laut mag
• Crespo oder Marbella wenn man ruhig und lokal wohnen möchte (meine Empfehlung!)
• Bocagrande oder Laguito wenn man fancy am Strand wohnen möchte

Inhaltsverzeichnis

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Autorin
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Lena Goller

Lena ist Autorin, Reisebegleiterin sowie Begründerin von UNPACKED. Sie schreibt über Reisen als inneren Prozess, über Übergänge, Identität und die Frage, wie wir leben wollen. Ihre Texte verbinden persönliche Erfahrungen aus der ganzen Welt mit ihrer beruflichen Erfahrung im Tourismus. Sie sind persönlich, reflektiert und ehrlich.
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